Der Verschwender
Raimundspiele Gutenstein Sommer 2024
Das Organisationsteam der Raimundspiele Gutenstein trat im Frühjahr 2024 an mich heran mit der Bitte die Produktion ‚Der Verschwender 2024‘ fotografisch zu begleiten.
Darunter fielen über ein paar Monate verteilt einige Shootings unterschiedlichster Art – auch mit verschiedensten Anforderungen an die Fotos (und Videos).
Zuallererst sollte ein Shooting noch vor Probenstart mit den Schauspielern und (sofern vorhanden) Requisiten und Kostümen durchgeführt werden. Die Fotos sollen im digitalen Marketing zum Einsatz kommen – also Social Media, Website und Newsletter. Anschließend folgten zwei Shootings von Proben in Gutenstein sowie die Prämiere und eine Videoaufzeichnung der gesamten Produktion.
Erstes Shooting
Im Mai 2024 – nachdem ich mich einmal durch das Reclam Heft gelesen hatte – stand das erste Shooting am Programm. Wie bereits erwähnt versuchten wir mit den Schauspielern und allen verfügbaren Kostümen und Requisiten ein erstes Stimmungsbild zu schaffen. Quasi ein Mood-Board für die folgende Produktion. Die Rollen waren vergeben, die Proben haben noch nicht begonnen und somit haben wir vom Regisseur absolut freie Hand in der Gestaltung der Szenen bekommen, die wir darstellen wollten.
Und wie das eben so läuft, hatte ich zwar einen Plan – hab auch vorbildlich die Location (der Volksgarten in Wien bot sich gut an) vorab besichtigt – und im Endeffekt hat sich in der Zusammenarbeit mit den Schauspielern trotzdem alles etwas anders ergeben. Normalerweise liegt meine kreative Stärke darin eine grobe Idee weiterzuspinnen, zu entwickeln und auszuarbeiten. Die Ideenfindung liegt mir eigentlich nicht so stark. In diesem Fall haben wir den Spieß aber umgedreht und ich war derjenige, dessen Ideen von den Schauspielern aufgegriffen und vervollständigt wurden.
Tatsächlich haben wir einige Szenen kreiert, die es so in der fertigen Produktion nicht gegeben hat – trotzdem finde ich, dass wir den Charakter der Rollen sowie ihre Beziehung recht gut dargestellt haben. Und unter anderem ging es auch nur darum die Schauspieler hinter den Rollen zu Portraitieren.
Zweites Shooting
Gegen Ende Juni – gut zwei Wochen vor der Prämiere war hinter den Kulissen – ganz entgegen der sommerlichen Idylle in Gutenstein – Hochbetrieb. Im Zelt wurde auf und ab geprobt und im Backstage Bereich wurden sämtliche Kostüme und Requisiten vorbereitet und geschneidert. Ich habe mir den ganzen Trubel vor der späteren Kostümprobe angeschaut und nebenbei einige BTS Aufnahmen gemacht. Außerdem einen Plan zurechtgelegt, wie ich das Shooting der Kostümprobe angehen werde.
Kostümprobe und Prämiere
Die Kostümprobe – ca. eine Woche vor dem großen Tag – war für mich tatsächlich wenig stressig. Wenn man sich mit dem 70-200mm frei im Theaterzelt bewegen kann und fast 2 Stunden Zeit hat die relevantesten Szenen zu fotografieren ist das der pure Luxus. Man stört keine Zuschauer und Theatergäste, die Schauspieler lassen sich nicht ablenken und sie bewegen sich selten so schnell, dass man auf bei den Lichtverhältnissen zu kurze Belichtungszeiten zurückgreifen muss. Zugegebenermaßen muss ich aber sagen, dass ich selbst mit f2.8 und 1/160s mit dem ISO bald an die Grenzen der Kamera gestoßen bin. Also nicht wirklich an die Grenze, aber das Rauschen war gerade noch so erträglich.
So wenig Stress ich beim Shooting hatte, so viel hatte ich dann aber bei der Nachbearbeitung… Die Fotos sollten ins Programmheft und dieses muss A) mit den Fotos noch fertig designt werden und B) rechtzeitig in den Druck geschickt werden. Im Endeffekt wurde es eine klassische Nachtsession. Weil auch wenn das Rauschen erträglich war, konnte man da getrost noch drüber arbeiten. Und die KI Entrausch-Funktion von Lightroom wirkt Wunder, allerdings wirkt sie langsam…
Nichtsdestotrotz ist alles gut gegangen, die Hefte in den Druck – und wo ich gerade beim Druck bin: auch ich habe einige Fotos auf A2 ausgearbeitet. Das würde ich als persönliches Highlight des ganzen Projektes bezeichnen. Ich (und das Team) mochten die Fotos so sehr, dass wir spontan beschlossen haben sie vor Ort auszustellen.
Die Prämiere selbst war eigentlich business as usual. Das Event rund um die Vorführung mit vielen geladenen Gästen, Theaterliebhabern und VIPs war zwar unendlich heiß aber genauso nett.
Aufzeichnung
Um das Projekt ‚Verschwender 2024‘ abzuschließen folgte noch ein letzter Besuch in Gutenstein. Diesmal um die gesamte Produktion einmal live und in voller Länge aufzuzeichnen. Das war eine gänzlich andere Herausforderung. Das größte Problem stellte dabei mein Misstrauen in meine Kamera dar. Also bitte nicht falsch verstehen – ich fotografiere hauptsächlich mit der Sony a7iv und habe den Kauf keine Minute bereut. Allerdings ist sie – auch wenn sie wirklich makellose Videos aufzeichnen kann – nicht die Art Workhorse, der ich bei so einem Projekt vertraue.
Im Theaterzelt in Gutenstein kann es im Sommer schon mal kuschelig warm werden und ich habe bis dahin und seitdem noch nie über eine Stunde durchgehend 4k aufgezeichnet. Die Überhitzung und den daraus folgenden Aufnahmestopp während einer Live-Vorführung wollte ich nicht riskieren. Ergo habe ich kurzerhand eine Sony FX3 ausgeliehen mit internem Kühlsystem für genau solche Fälle. Der hohe, sekundäre Base-ISO war quasi nur ein Bonus. Genauso wie die XLR-Eingänge im Top-Handle der Kamera. Nach kurzer Absprache mit dem Techniker haben wir dann tatsächlich die Original-Tonspuren von den dortigen Funkstrecken direkt in die Kamera speisen können. Das war durchaus ein Luxus, den ich ursprünglich nicht erwartet hätte.
Wie dem auch sei ist im Endeffekt alles gut gegangen – weder Kamera noch Monitor wurden zu heiß, ich hab in der Pause im nahe gelegenen Bach gekneippt und die 2 Stündige Aufnahme hat es schließlich auf USB-Sticks und DVDs zu den Organisatoren und dem Regisseur geschafft und ich bin bis heute stolz auf das Gesamtpaket ‚Der Verschwender 2024‘




















